Joule und die Fiori-Revolution: Wie AI die User Experience im SAP transformiert
Jahrelang war die Interaktion mit SAP definiert durch Kacheln, Menüs und Eingabemasken. Mit „Joule“ bricht eine neue Ära an: Das ERP wird vom stil- len Buchhaltungssystem zum aktiven Gesprächspartner. Warum das für Ihre User Experience (UX) Strategie alles ändert.
Lesezeit: ca. 5 Minuten | Fokus: UX & Business Value | Autor: CloudDNA UX- Team
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Erinnern Sie sich an den Sprung von SAP GUI zu SAP Fiori? Es war ein gewalti- ger Schritt: weg von grauen Listen, hin zu rollenbasierten Apps auf Tablet und Smartphone. Doch trotz aller Design-Fortschritte blieb das Grundprinzip gleich: Der Mensch muss die Software verstehen. Der Mensch muss wissen, wo er klicken muss. Der Mensch muss den Prozess kennen.
Mit dem Einzug von Generative AI und insbesondere SAP Joule dreht sich dieses Prinzip jetzt um: Die Software beginnt, den Menschen zu verstehen.
Wir stehen vor dem größten Paradigmenwechsel in der Software-Bedienung der letzten 20 Jahre. Weg von „Point-and-Click“, hin zu „Ask-and-Act“.
Das Problem: Die „Klick-Müdigkeit“
Selbst in gut designten Fiori-Landschaften kämpfen Anwender oft mit drei Proble- men:
1. 2. 3.
Navigations-Labyrinth: „In welcher App finde ich nochmal die offe- nen Bestellungen?“
Kontext-Wechsel: Das Springen zwischen Outlook, Teams und SAP S/ 4HANA, um Informationen zusammenzusuchen.
Analalyse-Paralyse: Ein Dashboard zeigt eine rote Zahl. Aber warum sie rot ist, erfordert fünf weitere Klicks und Drill-Downs.
Hier kommt Joule ins Spiel. Joule ist nicht einfach ein „Chatbot“ an der Seite des Bildschirms. Joule ist der Copilot, der tief in den SAP Cloud-Lösungen (S/4HANA Cloud, SuccessFactors, BTP) verankert ist.
Die 3 Dimensionen der neuen UX
Als Experten für SAP Fiori und UX bei CloudDNA analysieren wir die Auswirkungen von Joule auf drei Ebenen:
1. Navigation: Intention statt Transaktion
Anstatt durch Launchpads zu navigieren, äußert der User eine Absicht.
– Alt: Suche Kachel „Bestellanforderung anlegen“ -> Wähle Lieferant -> Wähle Material -> Tippe Menge.
-Neu (Joule): „Bestelle 5 neue Laptops für das Marketing-Team beim Standardlieferanten.“
Joule versteht den Kontext („Marketing-Team“ = Kostenstelle, „Standardlieferant“ = Rahmenvertrag) und bereitet die Transaktion in Fiori vor. Der User muss nur noch bestätigen. Das ist Zero-UI für Routineaufgaben.
2. Information: Insights statt Berichte
Das größte UX-Problem ist oft nicht die Dateneingabe, sondern das Verständnis der Daten.
Klassische Fiori Analytical Apps zeigen Diagramme. Joule erklärt sie.
- – Szenario: Ein User sieht einen Umsatzrückgang in einer Region.
- – Joule: Kann auf Nachfrage analysieren: „Der Rückgang in Region Nord korreliert mit Lieferengpässen bei Produkt X. Möchtest du die Logistik-Daten dazu sehen?“
Die UX wandelt sich von einer Anzeige-Fläche zu einer Beratungs-Fläche.
3. Assistenz: Enablement on the Job
Das ist der größte Hebel für den Business Case: Reduzierte Schulungskosten. Wenn das System selbst erklärt, wie es zu bedienen ist, entfallen teure Trai- nings und dicke Handbücher. Joule fungiert als „Senior User“, der neben jedem Junior sitzt und bei Bedarf erklärt, wie ein Urlaubsantrag korrigiert oder eine Rechnung freigegeben wird.
Die technische Basis: SAP BTP als Dirigent
Wie funktioniert das unter der Haube? Joule ist kein magischer Staub, der über das System gestreut wird. Es ist ein Zusammenspiel aus:
– Large Language Models (LLMs): Um natürliche Sprache zu verstehen.
– SAP Graph / Knowledge Graph: Um die Zusammenhänge zwischen
den Datenobjekten (Kunde, Auftrag, Rechnung) zu kennen. – SAP BTP Services: Um die Integration sicherzustellen.
Für Unternehmen, die eigene Fiori-Apps auf der BTP entwickeln (via SAP Business Application Studio), bedeutet das: Wir müssen UX neu denken. Eine moderne Fio- ri-App muss künftig „Joule-ready“ sein – also Schnittstellen bieten, die vom Copilo- ten angesteuert werden können.
CloudDNA Fazit: User Experience wird zur User Conversation
Wir bei CloudDNA glauben: Die beste Benutzeroberfläche ist die, die man nicht bemerkt.
Joule und die dahinterliegenden AI-Services auf der BTP ermöglichen es uns, Fiori-Anwendungen zu bauen, die nicht mehr stur Prozesse abarbeiten, sondern mitdenken. Das erhöht nicht nur die Effizienz, sondern auch die Mitarbeiterzufrie- denheit massiv. Niemand klickt sich gerne durch 10 Masken, wenn ein Satz genügt.
Was bedeutet das für Sie heute?
Datenhygiene: AI kann nur so gut navigieren, wie Ihre Daten gepflegt sind.
Standardisierung: Nutzen Sie SAP Start und S/4HANA Public Cloud Standards, wo möglich, um Joule „out of the box“ zu nutzen.
Custom UX: Denken Sie bei eigenen BTP-Erweiterungen (Fiori Apps) schon jetzt an die Konversations-Schnittstellen.
Checkliste für Product Owner
Fragen Sie sich bei der nächsten Anforderungsanalyse für eine Fiori-App nicht nur: „Welche Felder müssen auf den Screen?“, sondern:
- – „Welche Frage will der User beantwortet haben?“
- – „Welche Entscheidung soll getroffen werden?“
- – „Könnte ein Chat-Befehl diesen Prozess um 80% verkürzen?“
Nächster Schritt
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