Skalierte Agilität im Vergleich oder auch->

Wie aus einem agilen Funken ein skalierter Flächenbrand wurde

Es begann mit einer harmlosen Idee. Das Unternehmen hatte beschlossen, seine SAP-Landschaft zu modernisieren. Ein kleines Scrum-Team wurde gebildet, um die ersten Schritte in Richtung S/4HANA zu unternehmen. Doch bald stellte sich heraus, dass es mit einem Team nicht getan war. Die Anforderungen wuchsen, Schnittstellen zu bestehenden Systemen mussten berücksichtigt werden, und plötzlich arbeiteten nicht nur Entwickler, sondern auch Consultants, Business-Analysten und IT-Architekten an verschiedenen Baustellen gleichzeitig. Die ursprüngliche Agilität drohte im Chaos zu versinken.

Was tun? Klassisches Wasserfall-Projektmanagement wäre ein Rückschritt, doch die Skalierung der agilen Methodik stellte das Unternehmen vor neue Herausforderungen. Die Lösung: ein geeignetes Skalierungs-Framework. Aber welches? SAFe, LeSS, Nexus – die Auswahl ist groß, und nicht jede Methode eignet sich für komplexe SAP-Umgebungen.

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Warum agile Skalierung in SAP-Projekten eine besondere Herausforderung ist

SAP-Implementierungen sind anders als klassische Softwareprojekte. Hier ein paar Knackpunkte, die agile Methoden schnell an ihre Grenzen bringen:

  • Massive Abhängigkeiten: Module wie FI, MM oder SD sind eng miteinander verknüpft.

  • Große Teams mit unterschiedlichem Wissen: Entwickler, Berater, Infrastruktur-Teams und Business-User arbeiten zusammen.

  • Langfristige Wartbarkeit: SAP-Systeme laufen oft Jahrzehnte – da kann man nicht alle paar Monate alles umwerfen.

  • Regulatorische Anforderungen: Compliance-Vorgaben wie DSGVO oder SOX machen spontane Änderungen schwierig.

  • Lange Entwicklungszyklen: Ein S/4HANA-Upgrade dauert nicht nur ein paar Sprints, sondern Jahre.

Kurz gesagt: Eine agile Vorgehensweise muss nicht nur flexibel, sondern auch stabil, koordiniert und langfristig planbar sein. Und genau hier kommen die Skalierungsframeworks ins Spiel.

Die großen Drei: SAFe, LeSS und Nexus im Vergleich

Die Entscheidung für ein Skalierungsframework ist oft schwer, denn jedes Unternehmen hat unterschiedliche Anforderungen. Manche Projekte verlangen maximale Kontrolle und vordefinierte Prozesse, während andere auf Flexibilität und schnelle Iterationen setzen. In diesem Abschnitt werfen wir einen detaillierten Blick auf die drei bekanntesten Skalierungsframeworks – SAFe, LeSS und Nexus – und beleuchten, welches sich für welche SAP-Projekte eignet.

SAFe (Scaled Agile Framework) – Der Enterprise-Gigant

SAFe ist das Schwergewicht unter den agilen Skalierungsframeworks. Es wurde für große Unternehmen entwickelt und kombiniert Scrum, Kanban und Lean-Management mit klar definierten Rollen und Strukturen.

Kernprinzipien:

  • Vier Ebenen: Team, Programm, Large Solution, Portfolio.

  • Agile Release Train (ART): Mehrere Teams arbeiten synchronisiert an Releases.

  • Program Increment Planning: Gemeinsame Planung aller Teams in festen Intervallen.

  • Klare Hierarchien: SAFe bietet Strukturen, um auch strategische Unternehmensziele abzubilden.

SAP & SAFe:

  • Ideal für S/4HANA-Transformationen, die verschiedene Standorte und Teams betreffen.

  • Gut geeignet für internationale Projekte mit hoher Komplexität.

  • Gibt Unternehmen stabile Planbarkeit trotz Agilität.

Best Practice: Unternehmen mit großen IT-Abteilungen setzen oft auf SAFe, da es eine klare Governance bietet und den Spagat zwischen Flexibilität und Kontrolle meistert.

LeSS (Large Scale Scrum) – Agil mit Minimalismus

LeSS basiert auf Scrum und bleibt bewusst minimalistisch. Es setzt auf wenige Regeln und eine flache Hierarchie.

Kernprinzipien:

  • Ein gemeinsames Product Backlog für alle Teams.

  • Teams arbeiten synchronisiert an einem Produktziel.

  • Weniger Management, mehr Selbstorganisation.

  • Maximale Transparenz und direkte Kommunikation.

SAP & LeSS:

  • Perfekt für mittelgroße SAP-Teams (bis ca. 8 Teams).

  • Funktioniert gut für Fiori-Entwicklung, SAP BTP-Projekte oder Cloud-Integrationen.

  • Reduziert Abstimmungsaufwand und vermeidet zu viele Hierarchiestufen.

Best Practice Skalierte Agilität: In einer Firma, die SAP-Cloud-Erweiterungen entwickelt, ermöglichte LeSS, dass die Teams ohne komplexe Managementstrukturen schnell und effizient neue Funktionen ausliefern konnten.

Nexus – Scrum auf Steroiden

Nexus ist eine Erweiterung von Scrum und setzt auf ein zentrales Integration-Team, das die Abstimmung zwischen mehreren Scrum-Teams organisiert.

Kernprinzipien:

  • Teams behalten ihre klassischen Scrum-Strukturen.

  • Ein Nexus Integration Team sorgt für Synchronisation.

  • Fokus auf technische Integration und Abhängigkeiten.

SAP & Nexus:

  • Ideal, wenn viele Teams an der gleichen Codebase arbeiten.

  • Sinnvoll für ABAP-Modernisierung, CDS-Views, Cloud-Extensions.

  • Gut für technisch getriebene SAP-Entwicklungsprojekte.

Best Practice Skalierte Agilität: Nexus hat sich in einer ABAP-Entwicklungseinheit bewährt, die mehrere Teams koordinieren musste, um alte SAP-Module schrittweise durch moderne Cloud-Lösungen zu ersetzen.

Welche Methode passt zu welchem SAP-Projekt?

Jedes SAP-Projekt hat seine eigenen Herausforderungen, abhängig von Teamgröße, Komplexität und technologischen Anforderungen. Während einige Organisationen von der strukturierten Vorgehensweise eines SAFe-Frameworks profitieren, setzen andere lieber auf die Flexibilität von LeSS oder die technische Fokussierung von Nexus. Die folgende Übersicht hilft dabei, das passende Skalierungsframework für verschiedene SAP-Szenarien zu finden.

Framework Geeignet für Komplexität Typische SAP-Szenarien
SAFe Große Unternehmen mit vielen Teams Hoch S/4HANA-Transformation, SAP-Cloud-Migration
LeSS Mittelgroße Teams mit gemeinsamer Produktvision Mittel Fiori-Apps, SAP BTP-Entwicklung
Nexus Technische SAP-Entwicklung mit starker Code-Integration Niedrig-Mittel ABAP-Refactoring, CDS-Views, Cloud-Integrationen

Fazit Skalierte Agilität : Agil skalieren, aber mit Plan

Nicht jedes SAP-Projekt braucht ein schwergewichtiges Framework wie SAFe, aber in großen Transformationsprojekten hilft es, Planbarkeit und Agilität zu kombinieren. LeSS ist ein guter Mittelweg für Unternehmen, die flexibel bleiben wollen, ohne eine Management-Bürokratie einzuführen. Nexus funktioniert gut für technisch komplexe Entwicklungsprojekte, in denen mehrere Teams an der gleichen Codebasis arbeiten.

Egal, welches Framework gewählt wird – das Ziel ist immer, Agilität zu skalieren, ohne sie zu ersticken. Die richtige Balance zwischen Freiheit und Struktur entscheidet darüber, ob ein SAP-Projekt agil bleibt oder im Chaos versinkt.