Von Wasserfall zu Agil – eine SAP-Story aus der Praxis
Es war einmal ein klassisches SAP-Projekt. Das Unternehmen hatte beschlossen, seine alte ERP-Landschaft zu modernisieren, und beauftragte ein großes Team aus Consultants, Entwicklern und Fachbereichsvertretern. Der Plan war klar: erst eine umfassende Anforderungsanalyse, dann monatelange Entwicklungsarbeit, am Ende Tests und ein Go-Live, der idealerweise ohne Probleme ablaufen sollte.
Doch die Realität sah anders aus: Fachbereiche formulierten Anforderungen, die Monate später in die Entwicklung gingen, nur um dann festzustellen, dass sich die geschäftlichen Rahmenbedingungen inzwischen geändert hatten. Die IT war frustriert, weil sie auf veralteten Vorgaben basierte, und die Fachbereiche waren enttäuscht, weil die gelieferten Lösungen nicht mehr passten. Das SAP-Projekt drohte zu scheitern.
Dann kam der Gamechanger: Agilitat. Statt eines großen Masterplans wurde das Projekt auf iterative Sprints umgestellt. Plötzlich saßen IT und Fachbereich in einem Boot, entwickelten gemeinsam neue Funktionen und konnten flexibel auf Änderungen reagieren. Doch das funktionierte nur, weil es klare agile Rollen gab.
Welche das sind und wie sie zusammenarbeiten, schauen wir uns jetzt an.
Welche Rollen sind in einem agilen SAP-Projekt notwendig?
Agile SAP-Projekte erfordern eine neue Herangehensweise an Rollen und Verantwortlichkeiten. Während klassische Projekte oft klare, aber starre Hierarchien haben, setzt Agilität auf flexible Zusammenarbeit und interdisziplinäre Teams. Die folgenden Rollen sind entscheidend, um in einem agilen SAP-Umfeld erfolgreich zu arbeiten.
1. Der Product Owner – Visionär mit SAP-Fokus
Der Product Owner (PO) ist der wichtigste Ansprechpartner zwischen Business und IT. Er definiert die Anforderungen, priorisiert das Backlog und stellt sicher, dass das Team sich auf das Wesentliche konzentriert.
Aufgaben:
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Priorisierung der Anforderungen und Pflege des Backlogs
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Klärung von Akzeptanzkriterien
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Regelmäßige Abstimmungen mit Fachbereich und Entwicklern
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Verantwortung für den Business Value
Herausforderung:
Ein SAP-PO muss nicht nur die Sprache der Business-User sprechen, sondern auch wissen, was in SAP standardmäßig möglich ist und was individuelle Entwicklung benötigt. Ohne dieses Verständnis entstehen teure Anpassungen, die oft vermeidbar gewesen wären.
2. Der Business Analyst – Brücke zwischen Fachbereich und IT
Ein Business Analyst (BA) sorgt dafür, dass Anforderungen nicht nur aus einer Business-Perspektive betrachtet werden, sondern auch in ein umsetzbares SAP-Design übersetzt werden. Er spricht sowohl die Sprache des Fachbereichs als auch der Entwickler.
Aufgaben:
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Anforderungsanalyse in Workshops
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Modellierung von Prozessen
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Unterstützung des Product Owners bei der Spezifikation
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Sicherstellung der technischen Machbarkeit
Herausforderung:
SAP-Systeme haben oft komplexe Abhängigkeiten und Integrationen mit anderen Modulen oder externen Systemen. Ein BA muss sicherstellen, dass keine isolierten Lösungen entstehen, die im größeren SAP-Kontext nicht funktionieren.
3. Das Development Team – Experten für SAP-Technologie
In einem agilen SAP-Projekt arbeitet das Development Team interdisziplinär zusammen. Dazu gehören ABAP-Entwickler, SAPUI5-Experten, Integrationsexperten und gelegentlich auch Low-Code-Entwickler für SAP Build.
Aufgaben:
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Entwicklung und Implementierung von User Stories
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Beratung des Product Owners zu technischen Möglichkeiten
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Enge Zusammenarbeit mit dem Fachbereich
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Sicherstellung der Code-Qualität
Herausforderung:
SAP ist ein hybrides System – viele Unternehmen nutzen sowohl On-Premise-ERP als auch SAP BTP für Cloud-Erweiterungen. Entwickler müssen daher nicht nur klassische ABAP-Entwicklung beherrschen, sondern auch moderne Technologien wie CAP (Cloud Application Programming Model) und Node.js verstehen.
4. Der Scrum Master – Coach für agile Prinzipien
Der Scrum Master stellt sicher, dass das Team effizient arbeitet und agile Prinzipien eingehalten werden. Er beseitigt Hindernisse, fördert eine gute Teamdynamik und sorgt für die kontinuierliche Verbesserung des Entwicklungsprozesses.
Aufgaben:
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Moderation von Dailies, Retrospektiven und Sprint Plannings
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Identifikation und Beseitigung von Blockaden (Impediments)
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Schulung des Teams in agilen Methoden
Herausforderung:
SAP-Projekte werden oft in Unternehmen mit starren Hierarchien durchgeführt. Der Scrum Master muss daher agile Werte vermitteln und dafür sorgen, dass sie auch in gewachsenen Organisationsstrukturen erfolgreich angewendet werden.
Unterschiede zwischen klassischen und agilen Rollenverteilungen
Agile Methoden bringen eine fundamentale Veränderung in der Art und Weise, wie SAP-Projekte strukturiert und durchgeführt werden. Während klassische Projekte oft durch feste Hierarchien, lange Entwicklungszyklen und wenig Flexibilität gekennzeichnet sind, setzen agile Projekte auf iterative Prozesse, enge Zusammenarbeit und schnelle Anpassungen. Die folgende Tabelle verdeutlicht die zentralen Unterschiede.
| Klassische SAP-Projekte | Agile SAP-Projekte |
|---|---|
| Strenge Phasenstruktur (Wasserfall-Modell) | Iterative Sprints mit kontinuierlichem Feedback |
| Fachbereich definiert Anforderungen einmalig | Regelmäßige Abstimmung und Anpassung |
| Go-Live nach langer Entwicklungszeit | Stetige Releases mit schnellen Ergebnissen |
| Strikte Trennung zwischen Business und IT | Enge Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams |
Best Practices Agile Rollen im SAP-Umfeld : für die Zusammenarbeit zwischen Fachbereich und IT
Damit Agilität in SAP-Projekten erfolgreich funktioniert, sollten Unternehmen folgende Prinzipien beachten:
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Frühe Einbindung des Fachbereichs: Anforderungen müssen laufend gemeinsam erarbeitet werden.
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Regelmäßige Demos: Fachbereiche sollten frühzeitig Einblick in die entwickelten Funktionen erhalten.
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Flexibilität bewahren: Agil bedeutet nicht Chaos, sondern Anpassungsfähigkeit.
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Schulungen und Coaching: Agile Methoden sind für viele Unternehmen neu – Schulungen helfen, Widerstände abzubauen.
Fazit: Agil ist der Erfolgsfaktor für moderne SAP-Projekte
Die Geschichte Agile Rollen im SAP-Umfeld, zu Beginn hat gezeigt: Klassische SAP-Projekte haben oft hohe Reibungsverluste, weil Anforderungen und Realität auseinanderklaffen. Agil bedeutet, IT und Business zusammenzubringen und flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Doch das funktioniert nur mit den richtigen Rollen und klaren Verantwortlichkeiten. Ein Product Owner, der das Business versteht, ein Business Analyst, der zwischen den Welten vermittelt, ein starkes Development Team und ein Scrum Master, der die Methodik lebt – das sind die Zutaten für ein erfolgreiches agiles SAP-Projekt.