Agil arbeiten und gleichzeitig eine stabile SAP-Systemlandschaft sicherstellen – ist das nicht ein Widerspruch? Traditionell steht die SAP-Basis für Langfristigkeit, ausgereifte Prozesse und strikte Governance. Agile Methoden hingegen setzen auf Flexibilität, schnelle Iterationen und kontinuierliche Anpassung an neue Anforderungen. Doch genau hier liegt die Herausforderung: Unternehmen müssen ihre IT-Umgebungen immer schneller anpassen, Sicherheitslücken kurzfristig schließen und Innovationen integrieren, ohne dass der Betrieb darunter leidet. Die Frage ist also nicht, ob Agilität in der SAP-Basis möglich ist, sondern wie sie sinnvoll umgesetzt werden kann.

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Wie kann die SAP-Basis agil arbeiten?

Die Einführung agiler Prinzipien in der SAP-Basis erfordert ein Umdenken in Bezug auf Prozesse, Strukturen und Technologien. Während klassische Ansätze auf starre Freigabeprozesse und manuelle Konfiguration setzen, ermöglichen moderne Methoden mehr Flexibilität, Automatisierung und eine engere Zusammenarbeit zwischen Betrieb und Entwicklung. Hier sind drei zentrale Ansätze, um Agilität in der SAP-Basis erfolgreich umzusetzen?

1. Change-Management: Von starren Prozessen zu flexiblen Workflows

Viele SAP-Basis-Teams arbeiten noch mit traditionellen Change-Management-Prozessen, die in der Vergangenheit durchaus ihre Berechtigung hatten. Jede Änderung muss durch mehrere Freigabeinstanzen, was oft zu monatelangen Verzögerungen führt. Doch moderne Unternehmen brauchen Flexibilität, insbesondere in hybriden Landschaften mit Cloud- und On-Premise-Komponenten.

Agil bedeutet hier nicht, dass Änderungen unkontrolliert eingespielt werden. Vielmehr geht es um eine intelligente Abstufung:

  • Kleine, risikoarme Änderungen sollten ohne langwierige Genehmigungsprozesse durch standardisierte Workflows automatisiert werden.

  • Größere, geschäftskritische Änderungen profitieren von iterativen Deployment-Strategien, die zuerst in Test- und Sandbox-Umgebungen erprobt werden.

  • Automatisierte Tests und Monitoring-Tools können helfen, Risiken frühzeitig zu identifizieren und Probleme zu verhindern, bevor sie in produktiven Systemen auftreten.

Ein Praxisbeispiel: Ein Unternehmen hat sein Change-Management optimiert, indem es Transportaufträge nicht mehr manuell verwaltet, sondern in CI/CD-Pipelines integriert. Das führte zu einem drastischen Rückgang von Fehlern durch manuelle Eingriffe und ermöglichte schnellere Bereitstellungen.

2. Infrastruktur als Code (IaC): Standardisierung und Automatisierung

Die SAP-Basis ist traditionell stark von manuellen Konfigurationsprozessen geprägt. Systeme werden einzeln aufgesetzt, gepatcht und gewartet. Doch mit Infrastructure as Code (IaC) lässt sich dieser Prozess revolutionieren. Statt Systeme manuell zu konfigurieren, werden Umgebungen deklarativ beschrieben und automatisiert bereitgestellt.

Vorteile von IaC:

  • Reproduzierbarkeit: Jede Umgebung ist exakt gleich aufgesetzt, was Inkonsistenzen vermeidet.

  • Schnelligkeit: Neue Systeme können in Minuten statt Tagen bereitgestellt werden.

  • Versionierbarkeit: Infrastrukturänderungen werden im Code nachvollziehbar dokumentiert.

Ein Beispiel: Ein großer Konzern hat die Bereitstellung neuer SAP-Testumgebungen mit Terraform und Ansible automatisiert. Früher dauerte die Erstellung einer neuen Testinstanz mehrere Tage, heute läuft das innerhalb weniger Stunden – inklusive aller notwendigen Systemkonfigurationen.

3. Agile Betriebsteams: Weg von Silos hin zu interdisziplinären Teams

Agil arbeiten bedeutet nicht nur, Prozesse zu optimieren, sondern auch die Zusammenarbeit zu verbessern. Viele SAP-Basis-Teams arbeiten noch isoliert von Entwicklern und Fachbereichen. Anfragen laufen über Ticketsysteme, was oft zu Reibungsverlusten führt.

Ein bewährtes Konzept ist der DevOps-Ansatz für SAP:

  • Betriebsteams und Entwickler arbeiten enger zusammen, anstatt in getrennten Silos zu agieren.

  • Fehlerhafte Transportaufträge oder Performanceprobleme können früher erkannt und schneller behoben werden.

  • Automatisierte Deployment-Pipelines ermöglichen sichere und planbare Rollouts.

Ein Praxisbeispiel: Ein Unternehmen hat die klassische Trennung zwischen Basis- und Entwicklungsteams aufgehoben und interdisziplinäre Feature-Teams gebildet. In diesen Teams arbeiten Basis-Admins, Entwickler und Fachbereiche gemeinsam an neuen Anforderungen. Das hat nicht nur die Durchlaufzeiten von SAP-Entwicklungsprojekten deutlich gesenkt, sondern auch die Fehlerquote reduziert.

Fazit: Agil und stabil – das Beste aus beiden Welten

Die SAP-Basis muss sich nicht zwischen Stabilität und Agilität entscheiden – sie kann beides haben. Der Schlüssel liegt in der intelligenten Automatisierung und einer engeren Verzahnung von Betrieb und Entwicklung:

  • Change-Management optimieren: Automatisierte Genehmigungen und CI/CD-Pipelines ermöglichen sichere, schnellere Änderungen.

  • Infrastructure as Code nutzen: Standardisierte Bereitstellung von SAP-Systemen reduziert manuelle Fehler und steigert die Effizienz.

  • DevOps-Ansätze etablieren: Interdisziplinäre Teams verbessern die Zusammenarbeit und beschleunigen die Umsetzung neuer Anforderungen.

Die Anforderungen an SAP-Basis-Teams werden nicht weniger komplex – im Gegenteil. Doch durch agile Methoden und moderne Technologien lässt sich ein stabiler, sicherer und gleichzeitig flexibler Betrieb gewährleisten. Wer sich dem Wandel verschließt, wird langfristig den Anschluss verlieren. Wer ihn annimmt, kann eine SAP-Basis schaffen, die den Anforderungen der Zukunft gewachsen ist.