Die Ankündigung von SAP während der SAP TechEd 2024 zur Integration von ABAP in SAP Build, die als SAP Build Code ABAP Environment bekannt ist, markiert einen entscheidenden Fortschritt in der Evolution des SAP-Ökosystems. Diese Integration bedeutet, dass ABAP nun offiziell als Teil des umfassenden SAP Build Portfolios anerkannt wird, das als zentrale Anlaufstelle für Entwickler dient, die innovative SAP-Lösungen sowohl in der Cloud als auch On-Premise entwickeln. Bisher war diese Plattform ausschließlich auf Lösungen außerhalb von ABAP fokussiert, wie beispielsweise CAP, BAS und Process Automation. Mit dieser neuen Erweiterung wird ABAP nicht nur ergänzt, sondern spielt nun eine zentrale Rolle in der Gestaltung und Implementierung von modernen Anwendungen innerhalb dieses dynamischen Ökosystems, was den Entwicklern erweiterte Möglichkeiten bietet, ihre Projekte effizienter und integrierter zu gestalten.

ABAP in SAP Build: Was ist wirklich neu?

Die Ankündigung vermittelt den Eindruck, dass ABAP nahtlos in SAP Build integriert wurde – was man als SAP Build Code ABAP bezeichnen könnte. Die Unified SAP Build Lobby enthält jetzt auch ABAP Cloud Full-Stack Applications neben Full-Stack-, Fiori- und Mobile-Anwendungen. Bedeutet das, dass Entwickler nun ABAP RAP-Anwendungen direkt im Browser erstellen können?

Nicht ganz.

Ein genauerer Blick zeigt, dass die Integration hauptsächlich aus einem Link zu den bestehenden ABAP Development Tools for Eclipse (ADT) besteht. Trotz der modernen Oberfläche von SAP Build findet die eigentliche ABAP-Entwicklung weiterhin in ADT statt, einer Desktop-basierten Anwendung. Die “Integration” reduziert sich auf eine Kachel in der SAP Build Lobby, die ADT startet.

Kurz gesagt: SAP Build ersetzt ADT nicht – es ergänzt es lediglich.

Die wahre Innovation: KI-gestützte ABAP-Entwicklung

Der eigentliche Fortschritt liegt in den neuen KI-gestützten Funktionen in ADT. Mit dem ABAP AI SDK, das auf ISLM und Joule basiert, bringt SAP intelligente Tools in die Entwicklung ein, die den Prozess beschleunigen und verbessern:

• Automatische Unit-Tests: KI generiert Unit-Tests und spart so wertvolle Zeit.

• Code-Erklärung: KI hilft Entwicklern, komplexen oder älteren Code zu verstehen.

• Intelligente Entwicklungsassistenten: KI-gestützte Assistenten führen Entwickler durch Aufgaben und reduzieren Fehler.

Diese Funktionen sollen die Entwicklungszeit verkürzen und die Qualität der Anwendungen verbessern. Obwohl diese Möglichkeiten nicht ausschließlich in SAP Build verfügbar sind, zeigt ihre Integration SAPs Engagement, die ABAP-Entwicklung zu modernisieren.

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Fusion Teams: Verpasste Chance?

Das Konzept der Fusion Teams – multidisziplinäre Gruppen, die gemeinsam Software entwickeln – war ein weiteres Highlight der TechEd-Ankündigungen. SAP betont zu Recht, dass Softwareentwicklung Teamarbeit ist, die unterschiedliche Fähigkeiten erfordert. Doch die Umsetzung lässt Raum für Verbesserungen.

Echte Fusion-Entwicklung erfordert die Zusammenarbeit zwischen technischen und nicht-technischen Stakeholdern. Folgende Punkte sollten in SAP Build stärker berücksichtigt werden, um dieses Ziel zu erreichen:

1. Business-orientierter Start: Teams sollten direkt mit Geschäftsprozessen starten können, um Verbesserungen zu identifizieren und Input von Endbenutzern zu sammeln.

2. Einheitliches Datenmodell: Die CDS-Modellierung zwischen CAP und RAP sollte standardisiert werden, um Entwicklungsprozesse zu vereinfachen.

3. Automatisierte Tests mit Benutzerbeteiligung: Endbenutzer-Feedback sollte in die Testfall-Generierung einfließen, um Geschäftsanforderungen besser abzubilden.

4. Cross-App-Entwicklung: Mobile, Web- und Analyseanwendungen sollten nahtlos in einer Plattform integriert werden.

5. Transparente Debugging- und Tracing-Funktionen: End-to-End-Rückverfolgbarkeit über alle Komponenten hinweg sollte Standard sein.

Durch die Berücksichtigung dieser Aspekte könnte SAP Build zu einer echten Plattform für effiziente, kollaborative Entwicklung werden.

Ausblick: Hype oder Substanz?

Die Integration von ABAP in SAP Build ist bislang vor allem symbolisch – eine Kachel, die ADT startet. Dennoch legt sie den Grundstein für eine einheitlichere Entwicklererfahrung. Die eigentliche Innovation liegt in den KI-gestützten Erweiterungen, die die ABAP-Entwicklung revolutionieren könnten. Ob SAP Build sein Potenzial als umfassende Entwicklungsplattform ausschöpfen kann, hängt jedoch davon ab, wie gut die praktischen Anforderungen von Fusion Teams adressiert werden.

Während wir auf weitere Updates warten, insbesondere zum ABAP AI SDK Anfang 2025, bleibt eine Frage offen: Wird SAP Build zur integrierten Plattform, die sie verspricht zu sein, oder bleibt sie eine lose Sammlung von Tools? Die Zukunft wird es zeigen. Wie hat euch der Blog über SAP Build Code ABAP gefallen.

Martin Koch

Martin Koch

SAP BTP Enthusiast / SAP Alumni / Champagner Händler

Ich bin SAP Cloud Consultant, Architekt und Entwickler der ersten Stunde – um es auf neudeutsch zu sagen ein „SAP Cloud Veteran und Enthusiast“. Neben der SAP Business Technology Platform entwickle ich seit dem allerersten Release SAPUI5 und SAP Fiori Apps. Für SAP bin ich weltweit erfolgreich als Trainer im Bereich neuer Technologien (SAP BTP, Integration, SAPUI5, Fiori, Mobile, SAP HANA, Security, SAP Build Apps, SAP Build Workzone) im Einsatz. Besonders stolz bin ich darauf, zu den weltweit am besten bewerteten Trainern zu gehören.

Seit 2021 bin ich SAP Press Autor im Bereich der SAP Business Technology Platform und User Experience. Hier gibt es voerst neun Publikationen zu den Themen Sicherheit in der SAP BTP, SAP Cloud Connector, Git und SAP, Mobile Service, SAP Fiori Elements und SAP Build Apps.